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Juliane Kobelius

 

Die Stille nach dem Lärm

Es ist eine laute Kunst. Eine staubige noch dazu. Das stört Ulrich Schmied nicht. Auch die manchmal unerträgliche Hitze hält er aus. In seinen Skulpturen verspürt man die glühende Begeisterung des Bildhauers.

Schmied, bürgerlich Skrodzki, hat seine Leidenschaft zur Berufung und zum Namen gemacht. Er ist Eisenskulpteur. Mit viel Kraft schlägt er den Hammer und dennoch trennt ihn Vieles vom Steinbildhauer, der einen Marmorblock bearbeitet. Denn Schmied schlägt nicht ab, sondern er modelliert. Doch weil das starre Eisen nur mit Hitze zu bezwingen ist, gehören Hammer und Amboss zu seiner Arbeit wie Pinsel und Palette zum Maler. Es ist ein Umformen dieses widerspenstigen Materials, das er im Lager bestellt oder auf Schrottplätzen findet. Die abgelegten Einzelteile, gezeichnet durch Spuren des Lebens, bringt er in moderne Zusammenhänge und füllt sie mit neuem Inhalt. Durch Strecken, Biegen, Stauchen, Kehlen und Schweißen entstehen die plastischen Körper.

In seiner Werkstatt werden Wächter geboren oder Landschaften aus Stahl erschaffen. Schmied verbindet bearbeitete Fundstücke mit geometrisch orientierten Formen. So erobern verträumte und tanzende Stelen mal sinnlich, mal schwungvoll den Raum. Hingegen zerschneiden Winkel und Keile mit scharfen Spitzen die Luft. Gerade die spröde Haut des edlen Rohstoffes hat es ihm angetan: Ob als rostig-raues Naturphänomen oder als hochpoliertes Glanzobjekt – Eisen hat viele Gesichter und Ulrich Schmied weiß wie man sie sichtbar werden lässt.

Nur wer die künstlerische Idee mit handwerklichem Geschick verbindet, kann Stahl- bzw. Eisenbildhauerei betreiben. Es kostet Schweiß und verursacht ohrenbetäubenden Lärm. Der Betrachter jedoch kann Schmieds Eisenskulpturen genießen – in aller Stille.

Juliane Kobelius
Kunsthistorikerin/Theaterwissenschaftlerin M.A., Berlin